1. Was eine Kartoffel ist

Die Kulturkartoffel Solanum tuberosum wurde vor Jahrtausenden in den Anden domestiziert und gelangte später in nahezu alle Teile der Welt. FAO Gegessen wird eine unterirdisch verdickte Sprossachse, die Knolle. Sie speichert Wasser und Kohlenhydrate für die Pflanze und ist botanisch keine Wurzel.

Kraut, Stängel, Blüten und die kleinen, tomatenähnlichen Beeren über dem Boden sind keine Küchenzutaten: Die vegetativen Pflanzenteile und Beeren können hohe Mengen natürlich vorkommender, giftiger Glykoalkaloide enthalten. Kew EFSA Glykoalkaloide kommen in der ganzen Pflanze vor; innerhalb der Knolle liegen höhere Gehalte gewöhnlich nahe Schale, Augen und Keimen statt im Inneren. BfR

2. Sorten und Kochtypen

Die Sorte ist der konkrete Name der Kartoffel. Der Kochtyp sagt dagegen, was beim Garen passiert, und ist für den Einkauf in Deutschland meist die wichtigere Angabe. Festkochende Kartoffeln bleiben dicht und schnittfest, vorwiegend festkochende bilden die vielseitige Mitte, und mehligkochende zerfallen leichter zu einer lockeren, trockeneren Textur. Genau diese drei Bezeichnungen begegnen Verbrauchern auf deutschen Packungen; das Bundeszentrum für Ernährung ordnet sie unmittelbar den passenden Gerichten zu. BZfE

Gericht in der deutschen Küche Passender Kochtyp Warum und worauf achten?
Salzkartoffeln und Pellkartoffeln Vorwiegend festkochend, alternativ festkochend Die Knollen bleiben in Form, ohne zu kompakt zu wirken
Kartoffelsalat Festkochend Scheiben zerbrechen beim Schneiden und Mischen weniger leicht
Suppe und Eintopf Festkochend für sichtbare Würfel, mehligkochend zum Binden Der gewünschte Zerfall entscheidet über den Typ
Gratin und Auflauf Festkochend bis vorwiegend festkochend Die Scheiben werden weich, behalten aber ihre Schichtung
Bratkartoffeln Festkochend Vorgekochte Scheiben bleiben stabil und lassen sich wenden
Kartoffelpüree Mehligkochend Gut abdampfen lassen und nicht unnötig lange bearbeiten
Klöße, Knödel und Kroketten Mehligkochend Das trockenere, lockere Fleisch eignet sich besser für Kartoffelteig
Ofen- und Röstkartoffeln Vorwiegend festkochend bis mehligkochend Der mittlere Typ bleibt cremiger, der mehlige wird innen lockerer
Pommes frites Mehligkochend und ausdrücklich zum Frittieren empfohlen Zuckergehalt, Trockensubstanz und Lagerung beeinflussen Farbe und Kruste

Frühkartoffel ist eine Ernte- und Vermarktungsangabe, kein vierter Kochtyp. Früh geerntete Knollen besitzen eine zarte, noch wenig feste Schale und sollten zeitnah verbraucht werden. Sind sie frisch, unbeschädigt und nicht grün, genügt meistens gründliches Bürsten. Ihr feuchtes, festes Fleisch eignet sich gut zum Kochen und Rösten, ergibt aber nicht automatisch ein besonders luftiges Püree. Spätere, schalenfeste Kartoffeln eignen sich je nach Sorte besser zur Lagerung. Auch violette, blaue oder rote Fleischfarbe legt den Kochtyp nicht fest. Im deutschen Laden wählen Sie deshalb zuerst festkochend, vorwiegend festkochend oder mehligkochend beziehungsweise den angegebenen Verwendungszweck und erst danach Sorte, Größe oder Farbe.

3. Einkaufen und Qualität erkennen

Eine gute Kartoffel fühlt sich fest und für ihre Größe kräftig an. Trockene Erde auf ungewaschener Ware ist kein Verderb. Feuchtigkeit oder Kondenswasser im dicht geschlossenen Kunststoffbeutel ist problematischer: Schäden sind schlechter sichtbar und Fäulnis kann sich leichter ausbreiten. Prüfen Sie Schnitte, Quetschstellen, weiche Bereiche und Keime auch am Boden der Packung.

Ein kleiner trockener Kratzer lässt sich wegschneiden. Eine große nasse Vertiefung, zunehmende Weichheit, sichtbarer Schimmel, austretende Flüssigkeit oder ein säuerlich-fauliger Geruch sprechen gegen die Knolle. Gleiches gilt für deutlich grüne Kartoffeln und alte Exemplare, die stark keimen und zugleich schrumpfen. BfR

Bei Frühkartoffeln kann die papierartige Schale bereits durch Reiben abgehen. Das ist normal, macht sie aber anfälliger für Verletzungen und weniger lagerstabil als reife Kartoffeln mit fester Schale. UC Davis Bio-Anbau oder der eigene Garten sagen nichts darüber aus, ob eine einzelne Knolle Licht, Frost, Quetschung oder Fäulnis ausgesetzt war.

4. Zusammensetzung von Kartoffeln und ihr Verhalten beim Garen

Rohes Kartoffelfleisch besteht überwiegend aus Wasser. Unter den festen Bestandteilen dominiert Stärke; dazu kommen kleinere Mengen Ballaststoffe, Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine. Sorte, Reife, Anbau, Lagerung und Zubereitung verschieben die Werte. Eine amtliche Lebensmitteltabelle beschreibt deshalb eine definierte Form, nicht jede Kartoffel im Einkaufskorb. USDA FoodData Central

Kartoffelstärke setzt sich hauptsächlich aus den Glucosepolymeren Amylose und Amylopektin zusammen. Für die Küche entscheidend ist ihr Verhalten: In Wasser und Hitze quellen die Stärkekörner und verkleistern. Zugleich werden Zellwände und der Verbund zwischen Nachbarzellen weicher. Trockensubstanz, Stärkeeigenschaften und Gewebestruktur bestimmen gemeinsam, ob das gegarte Fleisch kompakt bleibt oder mehlig auseinanderfällt. Texturübersicht

Deshalb kann dieselbe mehlige Sorte im Eintopf zerfallen und im Püree glänzen. Eine feste Sorte hält den Salat ordentlich, liefert beim Stampfen aber eher ein dichtes Ergebnis. Intensive Messerrotation zerreißt viele Zellen und setzt verkleisterte Stärke frei; das Püree wird klebrig. Presse, Stampfer oder Passiergerät sollten nur so lange arbeiten, bis alles verbunden ist.

Gleich große Stücke erreichen gleichzeitig den weichen Zustand. Abspülen entfernt lose Oberflächenstärke, Einweichen auch einen Teil oberflächlicher Zucker. Für getrennte knusprige Pommes oder Raspelgerichte kann das helfen. Suppe, Gratin und Püree profitieren dagegen oft vom verbleibenden Stärkekörper.

5. Vorbereitung vor dem Garen

Waschen Sie Kartoffeln unter sauberem fließendem Wasser und bürsten Sie Erde ab. Das gilt auch vor dem Schälen, damit Messer oder Sparschäler keinen Schmutz über das Fleisch ziehen. Kleine Druckstellen und flache Schäden werden bis ins feste, unauffällige Gewebe entfernt.

Die Schale kann bleiben, wenn sie zum Gericht passt und die Kartoffel frisch, unversehrt und nicht grün ist. Frühkartoffeln benötigen häufig nur eine Bürste. Das BfR empfiehlt den Verzehr mit Schale nur bei frischen, unverletzten Kartoffeln. BfR

Schneiden Sie gleichmäßig. Für ein größeres Gratin liefert eine Scheibe am Küchengerät einheitliche etwa 3 mm dicke Scheiben; das veröffentlichte Kartoffel-Zucchini-Gratin zeigt diese Anwendung. Beim Entfernen von Schäden und bei kleinen Mengen bleibt das Messer präziser.

Angeschnittenes Fleisch verfärbt sich allmählich. Muss es kurz warten, legen Sie die Stücke in kaltes Wasser, gießen sie anschließend ab und trocknen sie. Stundenlanges Wässern ohne Rezeptgrund laugt Geschmack und wasserlösliche Stoffe aus; eine nasse Oberfläche verhindert zudem kräftiges Rösten.

6. Garmethoden und Textur

Kochen. Gleich große Stücke in kaltem Wasser ansetzen, damit Rand und Kern gleichmäßiger warm werden. Besonders mehlige Kartoffeln nur sanft sieden lassen. Abgießen, sobald ein Messer ohne harten Widerstand bis zur Mitte gleitet.

Dämpfen. Weniger direkter Wasserkontakt ist günstig für Kartoffeln, die später zu Püree oder Teig werden. Einheitliche Größe bleibt wichtig.

Rösten. Vorkochen ist keine Pflicht, erlaubt aber das Aufrauen einer mehligen Oberfläche. Vor dem Fett muss Feuchtigkeit abdampfen oder abgetrocknet werden. Goldbraun ist ein sinnvolleres Ziel als sehr dunkel. FSA

Backen. Vorwiegend fest- und mehligkochende Kartoffeln ergeben den deutlichsten Kontrast zwischen krosser Schale und weichem Kern. Entscheidend sind eine unversehrte Knolle, gleichmäßige Hitze und ein vollständig weiches Inneres.

Frittieren und Braten. Schnittflächen sorgfältig trocknen. Eine süß gewordene, kalt gelagerte Kartoffel kann zu früh dunkel werden. Kartoffel-Zucchini-Puffer sind eine andere frittierte Zubereitung: Fein geriebene Kartoffeln und Zucchini bilden die Grundlage des Teigs, den Ei und schrittweise zugegebenes Mehl zusammenhalten.

Püree. Mehlige Kartoffeln abgießen, im warmen Topf kurz abdampfen und pressen oder stampfen. Warme Milch, Sahne oder etwas Kochwasser schrittweise einarbeiten. Ein Mixer erzeugt durch starke Zellzerstörung schneller eine leimige Masse.

Gratin und Suppe. Feste bis vorwiegend feste Scheiben bleiben als Schichten erkennbar; mehlige nehmen mehr Feuchtigkeit auf. In klarer Brühe sind feste Würfel gefragt. In der cremigen Hokkaido-Kürbissuppe soll die Kartoffel dagegen nach dem Pürieren Körper geben.

Reste. Gekochte Kartoffeln rasch abkühlen, laut der zitierten FSA-Haushaltsempfehlung binnen zwei Stunden kühlen und innerhalb von 48 Stunden verbrauchen oder einfrieren. Nur die nötige Portion einmal erhitzen, bis sie vollständig dampfend heiß ist. FSA-Resteempfehlung

7. Richtig lagern

Für den Haushalt zählen Dunkelheit, Luftaustausch, Kühle und eine trockene Oberfläche. Papiertüte, perforierter Beutel, Korb oder belüftete Kiste sind besser als luftdichter Kunststoff. Licht fördert Grünwerden, Wärme Keimung und Schrumpfen; Kondenswasser und beschädigte Knollen erleichtern Fäulnis. Kontrollieren Sie die Kartoffeln regelmäßig und sortieren Sie eine schlechte früh aus. University of Illinois

Ein wirklich kühler Vorratsraum oder Keller eignet sich für ausgereifte Lagerkartoffeln. Der warme Küchenschrank taugt nur kurzzeitig. Frühkartoffeln verlieren leichter Schale und veratmen mehr Substanz, weshalb kleine Einkaufsmengen sinnvoll sind. UC Davis

Kartoffeln können zu Hause sowohl an einem kühlen, dunklen Ort als auch im Kühlschrank gelagert werden. Kälte kann bei einigen Sorten und bei längerer Lagerung den Zuckergehalt erhöhen. Solche Kartoffeln schmecken süßer und können beim Backen oder Frittieren schneller dunkel werden. Beim starken Backen oder Frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln kann Acrylamid entstehen — ein Stoff, dessen Aufnahme vorsorglich begrenzt werden sollte. Mehr Zucker in der Kartoffel kann seine Bildung begünstigen; deshalb ist die Kälte hier relevant. Eine geprüfte Haushaltsstudie ergab jedoch, dass der Kühlschrank das Potenzial zur Acrylamidbildung gegenüber einem kühlen dunklen Ort nicht wesentlich erhöhte; deshalb lässt die britische FSA beide Möglichkeiten zu. FSA Achten Sie bei Pommes und Ofenkartoffeln trotzdem auf ungewöhnliche Süße und schnelle Dunkelfärbung.

Rohkartoffeln vertragen unbeabsichtigtes Gefrieren schlecht. Zum geplanten Einfrieren eignen sich blanchierte Stücke oder passende fertig gegarte Gerichte nach einem erprobten Verfahren. Penn State

Die oft gehörte Regel, Kartoffeln dürften niemals neben Zwiebeln liegen, wird mit uneinheitlichen Haushaltsbegründungen wiederholt. Besser belegt sind Luft, Trockenheit, die Trennung von faulendem Gemüse und der Schutz vor eingeschlossenen starken Gerüchen.

8. Frostschaden und Kältesüßung

Zwei Vorgänge werden leicht verwechselt:

  1. Die Knolle war wirklich gefroren. Eiskristalle beschädigen Zellen. Nach dem Auftauen wirkt das Fleisch glasig oder wassergetränkt und wird später weich, nass und instabil. Eine stark matschige, auslaufende oder faulende Knolle wird entsorgt. UC Davis Penn State
  2. Die Knolle lag kalt, aber über dem Gefrierpunkt. Einige Sorten bauen dabei mehr Reserven zu reduzierenden Zuckern um. Die Kartoffel schmeckt süßer und bräunt beim Braten oder Frittieren schneller. Diese Kältesüßung betrifft Geschmack, Farbe und mögliche Acrylamidbildung, ist aber kein Eisschaden. FSA

Eine süße, ansonsten einwandfreie Kartoffel lässt sich eher kochen oder dämpfen, als daraus zwanghaft helle Pommes zu machen. Manche kaltgesüßten Sorten verlieren nach einer Zeit bei mäßiger Raumtemperatur einen Teil der Süße; Sorte und Vorgeschichte entscheiden, eine vollständige „Rückstellung“ ist nicht garantiert.

9. Grüne Stellen, Keime, Bitterkeit und Glykoalkaloide

Grün entsteht durch Chlorophyll nach Lichteinwirkung. Das Chlorophyll selbst ist nicht der Giftstoff, zeigt aber Bedingungen an, unter denen zugleich Glykoalkaloide zunehmen können. Die Farbstärke misst deren Konzentration zu Hause nicht. EFSA

Die wichtigsten Kartoffel-Glykoalkaloide heißen Alpha-Solanin und Alpha-Chaconin. Sie konzentrieren sich besonders um Schale, Augen und Keime; Verletzung und Austreiben können ebenfalls mit höheren Mengen einhergehen. Ausreichend hohe Aufnahmen können akut krank machen. Ungewöhnliche Bitterkeit oder Brennen im Mund bedeuten: nicht weiteressen. BfR

Das BfR rät, grüne Stellen und Augen großzügig zu entfernen, bezeichnet aber zugleich alte, eingetrocknete, grüne oder stark keimende Kartoffeln als ungeeignet. Daraus folgt eine vorsichtige Küchenpraxis:

  • Bei einer festen Knolle kann eine einzelne kleine, oberflächliche Grünstelle oder ein eben beginnendes Auge großzügig entfernt und der Rest geschält werden.
  • Deutlich grüne, stark gekeimte, verschrumpelte, großflächig beschädigte oder bittere Kartoffeln gehören in den Abfall.
  • Ein auffällig bitteres fertiges Gericht wird nicht weitergegessen.
  • Stark betroffene Knollen lassen sich nicht zuverlässig durch Garen „retten“.

Schälen, Kochen und Frittieren können Glykoalkaloide unterschiedlich stark verringern. EFSA nennt dafür breite Bereiche und keine Garantie für den einzelnen Haushalt; normales Garen kann die Stoffe nicht zuverlässig beseitigen. EFSA

10. Schäden, Verderb und Anbaufehler

Nicht jede Verfärbung ist Fäulnis. Eine trockene, korkige Stelle verlangt eine andere Entscheidung als ein nasser, wachsender Schaden.

Befund Wahrscheinliche Bedeutung Entscheidung in der Küche
Kartoffelschorf Korkige Oberflächenläsionen aus der Wachstumszeit Vorwiegend optisch; nach Wunsch schälen. Laut Beratung essbar, aber teils schlechter lagerfähig. UAF
Druckstelle / Schwarzfleckigkeit Mechanischer Stoß; die Verfärbung sitzt oft unter der Haut Aufschneiden und entfernen; festen, normal riechenden Rest verwenden.
Hohlherzigkeit Hohlraum im Inneren infolge der Wachstumsbedingungen Verfärbten Hohlraum entfernen; eine sonst gesunde Kartoffel ist essbar. University of Idaho
Graue oder schwarze Innenfarbe Stoß, Sauerstoffmangel, Lagerung oder physiologische Störung Kleine trockene Stelle entfernen; großflächige, nasse, riechende Schäden ablehnen. UC Davis
Nass- oder Weichfäule Nasses zusammenbrechendes Gewebe, oft Flüssigkeit und Geruch Ganze Knolle entsorgen und Nachbarkartoffeln prüfen.
Schimmel Sichtbarer Pilzbewuchs, häufig mit feuchtem oder weichem Fleisch Kompromittierte Knolle entsorgen statt nur einen kleinen Punkt abzuschneiden.

Eine schöne Schale widerlegt keinen fauligen Geruch und kein kollabierendes Inneres. Umgekehrt macht ein trockener oberflächlicher Schorf eine feste Knolle nicht zu Weichfäule. Die genaue Pflanzenkrankheit muss in der Küche nicht diagnostiziert werden; wichtig ist, ob noch ein einwandfreies Lebensmittel vorliegt.

11. Nährwerte und gesundheitlicher Kontext

Kartoffeln sind wasserreiche stärkehaltige Lebensmittel. Ein USDA-Eintrag für ohne Salz gekochtes Kartoffelfleisch aus der Schale nennt Kohlenhydrate als wichtigsten Energieträger, sehr wenig Fett sowie Ballaststoffe, Kalium und Vitamin C. Portionsgröße, Sorte, Schale, Lagerung und Garmethode verändern die tatsächlichen Werte. USDA FoodData Central

„Gesund“ oder „ungesund“ ohne Zubereitung ist zu grob. Eine schlichte Salzkartoffel und ein frittiertes stark gesalzenes Produkt sind ernährungsphysiologisch nicht gleich. Öl bringt Energie und Fett, Sahne, Käse und Butter verändern Energie und gesättigte Fettsäuren, Salz den Natriumgehalt. Das sind Merkmale des ganzen Gerichts, nicht der Knolle allein.

Wenn gekochte Kartoffeln abkühlen, ordnet sich ein Teil ihrer Stärke in eine Form um, die der Körper nicht so leicht verdaut. Sie wird als resistente Stärke Typ 3 bezeichnet. Gekochte und gekühlte Kartoffeln enthalten davon in der Regel mehr als frisch gekochte, die Menge hängt aber von Sorte und Zubereitung ab. Übersicht resistente Stärke

Auch die Blutzuckerreaktion hängt von Sorte, Garen, Zerkleinern, Abkühlen, Wiedererwärmen, Portion und der restlichen Mahlzeit ab. Das SPUD-Projekt beschreibt gemischte Ergebnisse je nach Lebensmittel und Verfahren. SPUD Eine einzelne Indexzahl taugt deshalb weder als moralische Bewertung noch als persönliche medizinische Empfehlung.

12. Kartoffeln und Süßkartoffeln

Ein ähnliches Aussehen bedeutet keine enge botanische Verwandtschaft. Kartoffeln, Solanum tuberosum, gehören zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Süßkartoffeln, Ipomoea batatas, gehören zu den Windengewächsen (Convolvulaceae). Kew beschreibt sie ausdrücklich als nicht eng verwandt. Kew Kartoffel Kew Süßkartoffel

Bei der Süßkartoffel wird eine Speicherwurzel gegessen, bei der Kartoffel eine Sprossknolle. Zucker, Stärke, Wasser und Zellstruktur verhalten sich entsprechend anders. Für Püree, Gratin, Pommes oder Teig ist die Süßkartoffel daher kein automatischer Eins-zu-eins-Ersatz.

13. Kartoffelprodukte und technische Nutzung

Kartoffelstärke ist die gereinigte Stärke aus zerkleinerten Knollen. In der Küche bindet sie Saucen, unterstützt knusprige Panaden und verändert die Textur von Nudeln oder Gebäck. Kartoffelflocken sind hingegen gegarte, getrocknete Kartoffeln zum Rehydrieren; Instantpüree ist nicht einfach rohe Stärke in einer Packung.

Chips und Pommes erhalten ihre Textur aus Sorte, Schnittform, Wasserentzug, Zuckergehalt, Öl und Hitze. Ihre Nährwerte spiegeln den gesamten Prozess einschließlich Fett und Salz wider.

Native und modifizierte Kartoffelstärken dienen außerhalb der Küche seit Langem als Klebe- oder Verdickungsmittel, etwa bei Papier, Klebstoffen und in der Textilverarbeitung. Industrieübersicht Eine Packung Lebensmittelstärke ersetzt dabei keinen pharmazeutisch oder technisch spezifizierten Stoff.

14. Kartoffeln in den Küchen der Welt

Kartoffeln lassen sich auf viele Arten zubereiten: roh reiben, kochen, braten oder pürieren. In slowakischen Bryndzové halušky bilden rohe Kartoffelraspel die Grundlage eines weichen Nockerlteigs. Italienische Kartoffelgnocchi werden aus gekochten Kartoffeln und Mehl gemacht, während Schweizer Rösti und viele mitteleuropäische Puffer auf gebratenen Kartoffelraspeln beruhen. In der spanischen Tortilla española hält Ei die Kartoffelscheiben zusammen. Französisches Gratin und Pommes Anna bestehen aus dünnen Schichten; Vichyssoise ist dagegen eine glatte Kartoffel-Lauch-Suppe.

Kartoffeln finden sich auch in südasiatischen Aloo-Gerichten, im irischen Colcannon, in polnischen Pierogi-Füllungen und in vielen Brotsorten. Mal bleiben sie in festen Stücken, mal werden sie zu Püree, Teig oder einer cremigen Suppe.

15. Häufige Fragen

Müssen Frühkartoffeln geschält werden?

Nein, wenn sie frisch, gründlich gebürstet, unbeschädigt und nicht grün sind. Für eine glatte Textur oder zur Schadensentfernung können sie geschält werden. Das BfR beschränkt den Verzehr der Schale auf frische, unverletzte Kartoffeln. BfR

Kann ich gekeimte Kartoffeln essen?

Bei einer festen Knolle lässt sich ein winziger beginnender Keim samt Umgebung großzügig entfernen; der Rest wird geschält. Starkes Keimen, Schrumpfen, verbreitetes Grün, Schäden oder Bitterkeit sprechen für Entsorgung. Eine allgemeingültige sichere Keimlänge existiert nicht. BfR

Was tun bei einer grünen Stelle?

Eine einzelne kleine, oberflächliche Stelle an einer sonst festen Knolle darf großzügig entfernt werden. Eine deutlich grüne oder bittere Kartoffel wird entsorgt. Grün zeigt Lichteinwirkung, beziffert aber keine Glykoalkaloide. EFSA BfR

Gehören Kartoffeln in den Kühlschrank?

Ein kühler, dunkler, belüfteter Platz bleibt ein guter Standard. Die aktuelle britische FSA lässt auch den Kühlschrank zu, weil ihre geprüfte Haushaltsstudie gegenüber kühler dunkler Lagerung keinen wesentlichen Anstieg des Acrylamidbildungspotenzials fand. Süße und Bratfarbe können sich trotzdem ändern. FSA

Warum schmecken gelagerte Kartoffeln süß?

Wahrscheinlich ist Kältesüßung eingetreten: Reduzierende Zucker haben zugenommen. Das unterscheidet sich vom Gefrieren. Beim Braten oder Frittieren färben solche Kartoffeln schneller dunkel.

Warum verfärben Kartoffeln sich nach Schneiden oder Kochen?

An der rohen Schnittfläche reagieren verletzte Zellen mit Sauerstoff; kurzes kaltes Wässern bremst die Verfärbung. Graue Farbe nach dem Kochen ist ein anderer, sorten- und lagerabhängiger Vorgang. Trockene Farbe allein ist keine Fäulnis, nasse Weichheit, Schimmel oder übler Geruch dagegen schon. ÚKZÚZ UC Davis

Weshalb zerfallen Kartoffeln im Kochwasser?

Mögliche Gründe sind ein mehliger Typ, ungleich große Stücke, zu starkes Sprudeln oder zu lange Garzeit. Für klare Kanten festkochende Kartoffeln wählen und sanft sieden. Texturübersicht

Lassen sich Kartoffeln einfrieren?

Unbeabsichtigt gefrorene rohe Kartoffeln werden nach dem Auftauen häufig weich und wässrig. Zum geplanten Einfrieren ein geprüftes Verfahren verwenden: vorbereitete Stücke blanchieren oder ein geeignetes gegartes Gericht einfrieren. Penn State